Glossar · 3 Min. Lesezeit
Streubesitz (Free Float)
Der Streubesitz, englisch Free Float, ist der Teil der Aktien eines Unternehmens, der frei an der Börse gehandelt werden kann. Die Deutsche Börse definiert ihn als frei handelbare Aktien eines Unternehmens im Besitz vieler Aktionäre. Nicht dazu zählen große, dauerhaft gehaltene Pakete, etwa von Gründerfamilien, Staaten oder anderen Unternehmen.
Was nicht zum Streubesitz zählt
Für den DAX und die übrigen Indizes der DAX-Familie legt STOXX die Regeln fest. Nach dem DAX Equity Index Methodology Guide (Stand März 2026) gelten alle Aktien eines Eigentümers, die zusammengerechnet mindestens 5 % der gesamten Aktienanzahl ausmachen, als nicht frei handelbar. Dazu gehören laut Regelwerk unter anderem:
- Anteile von Familienmitgliedern, die zusammengerechnet werden,
- Aktien in Stimmbindungs- oder Poolverträgen,
- Bestände von Unternehmen, die der Eigentümer kontrolliert,
- Aktien mit Haltefristen, etwa nach einem Börsengang.
Eine wichtige Ausnahme: Vermögensverwalter, Treuhandgesellschaften, Investmentfonds und Pensionsfonds zählen trotz eines Anteils von mehr als 5 % zum Streubesitz, solange ihr Anteil 25 % nicht übersteigt. Ein Fonds, der 6 % hält, verkleinert den Streubesitz also nicht. Außerdem verlangt das Regelwerk für eine Aufnahme in den DAX einen Streubesitz von mindestens 10 %.
Warum der Streubesitz wichtig ist
Indexgewicht
Der DAX gewichtet nicht nach dem gesamten Börsenwert, sondern nach der Streubesitz-Marktkapitalisierung: Streubesitzfaktor × gesamte Marktkapitalisierung. Ein Unternehmen, bei dem ein Großaktionär die Hälfte hält, bekommt nur das halbe Gewicht, das seinem Börsenwert entsprechen würde. Zusätzlich ist das Gewicht eines Unternehmens im DAX auf 15 % begrenzt.
Liquidität
Je mehr Aktien frei gehandelt werden, desto mehr Käufer und Verkäufer gibt es in der Regel. Das hält den Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs klein. Bei geringem Streubesitz können schon wenige Aufträge den Kurs spürbar bewegen.
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind frei gewählt und beschreiben kein echtes Unternehmen.
| Aktionär | Anteil | Zählt zum Streubesitz? |
|---|---|---|
| Gründerfamilie | 30 % | nein, über 5 % |
| Staat | 8 % | nein, über 5 % |
| Investmentfonds | 6 % | ja, Fonds bis 25 % |
| Übrige Aktionäre | 56 % | ja |
| Streubesitz | 62 % |
Bei 1 Mrd. Aktien und einem Kurs von 20 € beträgt der gesamte Börsenwert 20 Mrd. €. Für die Indexgewichtung zählen 0,62 × 20 Mrd. € = 12,4 Mrd. €.
Beispiel Deutsche Telekom
Die Deutsche Telekom nennt auf ihrer Seite zur Aktionärsstruktur mit Stand 30.06.2026 folgende Anteile:
| Aktionär | Anteil | Aktien |
|---|---|---|
| Bund (direkt) | 14,22 % | 689.601.413 |
| KfW | 14,37 % | 696.778.706 |
| Streubesitz | 71,41 % | 3.463.397.938 |
Bund und KfW liegen beide über der 5-%-Schwelle, zusammen bei 28,59 %. Knapp drei von zehn Telekom-Aktien sind also nicht frei gehandelt. Den genauen Streubesitzfaktor im Index legt STOXX selbst fest; er kann vom Wert des Unternehmens abweichen.
Auf aktiendeutschland.de
Auf der Seite der Deutsche-Telekom-Aktie und allen anderen Aktienseiten finden Sie die Marktkapitalisierung und die Aktienanzahl. Beide Werte beziehen sich auf alle Aktien, nicht nur auf den Streubesitz. Wenn Sie wissen möchten, welcher Teil davon frei handelbar ist, ziehen Sie die Anteile der Großaktionäre ab, wie im Beispiel oben.
Häufige Fragen
Zählen eigene Aktien des Unternehmens zum Streubesitz?
Nein. Aktien, die ein Unternehmen zurückgekauft hat und selbst hält, gelten laut DAX-Regelwerk nicht als Streubesitz.
Kann sich der Streubesitz ändern?
Ja, etwa wenn ein Großaktionär Aktien verkauft, eine Haltefrist abläuft oder das Unternehmen neue Aktien ausgibt. STOXX legt die Streubesitzfaktoren laut Regelwerk vierteljährlich neu fest.
Ist ein hoher Streubesitz gut oder schlecht?
Weder noch. Ein hoher Streubesitz bedeutet meist gute Handelbarkeit. Ein Ankeraktionär kann dagegen für Stabilität sorgen, hat aber großen Einfluss auf Entscheidungen der Hauptversammlung.
Aktualisiert am 25.09.2026
