Glossar · 3 Min. Lesezeit
KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn, der auf eine Aktie entfällt. Die Deutsche Börse beschreibt es als die weltweit am stärksten beachtete Kennzahl für die fundamentale Bewertung von Aktien: Es gibt an, wie viel Euro Sie für einen Euro Unternehmensgewinn bezahlen.
Die Formel
KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie
Der Gewinn je Aktie ergibt sich aus dem Jahresüberschuss, der den Aktionären zusteht, geteilt durch die Anzahl der Aktien. Alternativ lässt sich das KGV auch über das ganze Unternehmen rechnen: Marktkapitalisierung ÷ Jahresgewinn. Beide Wege führen zum selben Ergebnis.
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind frei gewählt und keine echten Werte.
| Größe | Wert |
|---|---|
| Aktienkurs | 60,00 € |
| Gewinn je Aktie im letzten Geschäftsjahr | 4,00 € |
| KGV (historisch) | 60 ÷ 4 = 15 |
| Erwarteter Gewinn je Aktie im laufenden Jahr | 5,00 € |
| KGV (erwartet) | 60 ÷ 5 = 12 |
Ein KGV von 15 bedeutet: Bliebe der Gewinn gleich, würde es 15 Jahre dauern, bis die Summe der Gewinne dem heutigen Kurs entspricht. Der Kehrwert, 1 ÷ 15 = 6,7 %, heißt Gewinnrendite.
Historisches und erwartetes KGV
- Historisches KGV: Es beruht auf dem zuletzt berichteten Gewinn, entweder aus dem letzten Geschäftsjahr oder aus den letzten zwölf Monaten. Der Gewinn ist geprüft oder veröffentlicht, die Zahl blickt aber zurück.
- Erwartetes KGV: Es beruht auf Gewinnschätzungen von Analysten für das laufende oder nächste Jahr. Es blickt nach vorn, hängt aber davon ab, ob die Schätzungen eintreffen.
Im Beispiel oben hat dieselbe Aktie ein KGV von 15 oder von 12, je nachdem, welcher Gewinn genutzt wird. Vergleichen Sie deshalb nur KGVs, die auf derselben Grundlage beruhen.
Warum Vergleiche über Branchen hinweg täuschen
Ein niedriges KGV heißt nicht automatisch „günstig“, ein hohes nicht automatisch „teuer“. Branchen unterscheiden sich stark:
- Wachstum: Wenn Anleger für ein Unternehmen stark steigende Gewinne erwarten, zahlen sie heute mehr für jeden Euro Gewinn. Softwarefirmen haben deshalb oft ein höheres KGV als Versorger.
- Zyklische Branchen: Bei Autoherstellern, Chemie oder Rohstoffen schwanken Gewinne mit der Konjunktur. Auf dem Höhepunkt eines Zyklus ist der Gewinn hoch und das KGV niedrig, obwohl die Gewinne danach oft sinken.
- Bilanzierung: Bei Banken und Versicherern entstehen Gewinne anders als bei Industrieunternehmen. Einmaleffekte, etwa der Verkauf einer Sparte, blähen den Gewinn eines Jahres auf und drücken das KGV.
Sinnvoller ist der Vergleich mit Unternehmen derselben Branche oder mit dem eigenen KGV der Aktie in früheren Jahren.
Negative Gewinne
Macht ein Unternehmen Verlust, ist der Gewinn je Aktie negativ. Rechnerisch entsteht ein negatives KGV, zum Beispiel 60 € ÷ −2 € = −30. Diese Zahl hat keine sinnvolle Aussage und lässt sich nicht mit positiven KGVs vergleichen. Auch ein sehr kleiner positiver Gewinn führt zu einem extrem hohen KGV, das wenig über die Bewertung sagt.
Auf aktiendeutschland.de
Das KGV steht auf jeder unserer Aktienseiten in der Kennzahlen-Übersicht, etwa bei Mercedes-Benz oder Münchener Rück. Dort sehen Sie es zusammen mit Dividendenrendite und Marktkapitalisierung. Vergleichen Sie diese Werte am besten innerhalb derselben Branche.
Häufige Fragen
Welches KGV gilt als niedrig?
Dafür gibt es keinen festen Wert. Ob ein KGV niedrig ist, hängt von der Branche, dem erwarteten Wachstum und dem Zinsniveau ab.
Warum ändert sich das KGV jeden Tag?
Weil sich der Kurs im Zähler ständig bewegt. Der Gewinn im Nenner ändert sich meist nur, wenn neue Quartals- oder Jahreszahlen veröffentlicht werden oder Analysten ihre Schätzungen anpassen.
Ist ein KGV von 10 immer besser als eines von 20?
Nein. Ein niedriges KGV kann bedeuten, dass der Markt mit sinkenden Gewinnen rechnet. Ein höheres KGV kann durch starkes Wachstum gerechtfertigt sein.
Aktualisiert am 25.09.2026
