Glossar · 4 Min. Lesezeit
ADR: American Depositary Receipts
Ein ADR (American Depositary Receipt) ist ein in den USA gehandeltes Wertpapier, das Aktien eines ausländischen Unternehmens verbrieft. So können US-Anleger zum Beispiel SAP in US-Dollar an der New York Stock Exchange kaufen, ohne direkt an der Börse in Deutschland zu handeln. Auch für Anleger in Deutschland ist das Thema wichtig: Wer eine Aktie über den Namen oder das Kürzel sucht, stößt schnell auf das ADR statt auf die Originalaktie.
So funktioniert ein ADR
Eine US-Depotbank verwahrt Originalaktien des ausländischen Unternehmens und gibt dafür ADRs aus. Jedes ADR steht für eine oder mehrere Aktien oder für einen Bruchteil einer Aktie. Der Inhaber hat das Recht, sich die zugrunde liegenden Aktien aushändigen zu lassen. Der Preis des ADR folgt deshalb dem Kurs der Aktie an der Heimatbörse, umgerechnet in US-Dollar und angepasst an das Verhältnis zwischen ADR und Aktie. Das erste ADR brachte J.P. Morgan 1927 für die britische Kaufhauskette Selfridges heraus.
Sponsored und unsponsored
- Sponsored ADR: Das Unternehmen schließt selbst einen Vertrag mit einer US-Depotbank. SAP und Siemens haben solche Programme, beide mit der Deutschen Bank als Depotbank.
- Unsponsored ADR: Eine Bank legt das ADR ohne Mitwirkung des Unternehmens auf. Laut US-Börsenaufsicht SEC können solche ADRs nur außerbörslich (OTC) gehandelt werden.
Die drei Levels
| Level | Handel | Pflichten gegenüber der SEC | Kapitalaufnahme |
|---|---|---|---|
| Level I | nur außerbörslich (OTC) | gering | nein |
| Level II | US-Börse wie NYSE oder Nasdaq | jährlicher Bericht auf Formular 20-F | nein |
| Level III | US-Börse | 20-F plus Wertpapierprospekt | ja |
Daneben gibt es Programme nach Rule 144A, die nur großen institutionellen Anlegern offenstehen.
Deutsche Beispiele: SAP und Siemens
| Merkmal | SAP ADR | Siemens ADR |
|---|---|---|
| Handelsplatz | New York Stock Exchange | außerbörslich (OTC) |
| Kürzel | SAP | SIEGY |
| Programm | Sponsored, Level II | Sponsored, Level I |
| Verhältnis | 1 ADR = 1 Aktie | 2 ADRs = 1 Aktie (seit 13. März 2017) |
| Depotbank | Deutsche Bank | Deutsche Bank |
| CUSIP | 803054204 | 826197501 |
| Originalaktie in Deutschland | ISIN DE0007164600, WKN 716460 | ISIN DE0007236101, WKN 723610 |
Stand: September 2026, laut Investor-Relations-Seiten von SAP und Siemens. Siemens war bis zum 15. Mai 2014 an der NYSE notiert; seit dem 16. Mai 2014 wird das ADR nur noch außerbörslich gehandelt. In den USA wird statt der ISIN häufig die neunstellige CUSIP-Nummer verwendet.
Das Verhältnis: Rechenbeispiel
Das Verhältnis bestimmt, wie viel ein ADR ungefähr kosten muss. Angenommen, die Siemens-Aktie kostet auf Xetra 200 Euro und ein Euro entspricht 1,15 US-Dollar (beide Zahlen frei gewählt):
- Aktienkurs in Dollar: 200 × 1,15 = 230 US-Dollar
- Zwei ADRs entsprechen einer Aktie, also: 230 ÷ 2 = 115 US-Dollar je ADR
Weicht der ADR-Kurs deutlich davon ab, können Händler Aktien und ADRs gegeneinander tauschen. Deshalb bleiben beide Kurse eng beieinander. Kleine Unterschiede entstehen durch Wechselkursbewegungen, Gebühren und unterschiedliche Handelszeiten: Die NYSE handelt auch dann noch, wenn der Xetra-Haupthandel um 17:30 Uhr beendet ist.
Dividenden und Quellensteuer
Das Unternehmen zahlt die Dividende in Euro an die Depotbank. Diese rechnet sie in US-Dollar um und reicht sie an die ADR-Inhaber weiter. Laut SEC dürfen Depotbanken dabei Verwahrgebühren direkt von der Dividende abziehen.
Auf deutsche Dividenden wird Kapitalertragsteuer einbehalten. SAP nennt für sein ADR einen Abzug von 26,375 Prozent. US-Anleger können nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den USA und Deutschland 11,375 Prozentpunkte zurückfordern und zahlen dann 15 Prozent Quellensteuer. Für Anleger mit Wohnsitz in Deutschland gelten die deutschen Regeln zur Abgeltungsteuer.
ADR oder Originalaktie?
Für Anleger in Deutschland gibt es bei SAP und Siemens die Originalaktie in Euro, unter anderem auf Xetra. Das ADR ist ein eigenes Wertpapier in US-Dollar mit eigener Kennung. Achten Sie bei der Order deshalb auf die ISIN: Bei SAP führt DE0007164600 zur Originalaktie, das Kürzel „SAP“ allein kann an der NYSE zum ADR führen. Diese Unterscheidung ist keine Anlageempfehlung, sondern hilft nur, das gewünschte Wertpapier zu erwischen.
Auf aktiendeutschland.de
Unsere Unternehmensseiten zeigen im Steckbrief die Daten der Originalaktie: ISIN, WKN sowie Börse und Ticker, etwa bei SAP und Siemens. Die Suche akzeptiert Firmennamen, WKN oder ISIN.
Häufige Fragen
Ist ein ADR dasselbe wie eine Aktie?
Nein. Ein ADR ist ein Zertifikat einer US-Depotbank, das Aktien verbrieft. Es hat eine eigene Kennung und wird in US-Dollar gehandelt.
Wo wird das SAP-ADR gehandelt?
An der New York Stock Exchange unter dem Kürzel SAP. Ein ADR entspricht einer SAP-Aktie.
Warum kostet ein Siemens-ADR nur etwa halb so viel wie die Aktie?
Weil zwei Siemens-ADRs einer Aktie entsprechen. Umgerechnet in Euro liegt ein ADR daher bei rund der Hälfte des Aktienkurses.
Wer zahlt bei ADRs die Dividende aus?
Die Depotbank. Sie erhält die Dividende in Euro, rechnet sie in US-Dollar um und kann Gebühren abziehen, bevor sie das Geld an die ADR-Inhaber weiterleitet.
Aktualisiert am 25.09.2026
